Metallicoberflächen von Fassaden besser zu reinigen

Die Metallicoberflächen für Fenster- und Fassadenelemente nehmen ständig zu, mittlerweile haben diese Veredelungsarten über 25 % Anteil an laufenden Beschichtungsaufträgen im Architekturmarkt.

Metallicoberfläche

In Form von einschichtigen Pulverlacken aufgebracht, unterscheiden sich diese Oberflächen grundlegend von den seit vielen Jahren in der Automobilindustrie eingesetzten Metalliclacken.

Lackaufbau differiert

Die glänzenden Automobiloberflächen verfügen über eine Klarlackschicht, die die Metallicteilchen vor der Bewitterung und bei der Reinigung schützen. Dies ist bei den aus Kostengründen auf Fenster- und Fassadenelementen eingesetzten Pulverlack-Einschichtsystemen nicht der Fall. Die Metallicpigmente liegen hier, um gewisse Effekte erzielen zu können, relativ weit an der Oberfläche. Dort sind Sie der Belastung durch insb. Industrieatmosphäre ausgesetzt. Durch falsche Reinigung bzw. zu lange Reinigungsintervalle können die oberen Lackschichten unregelmäßig abgetragen werden. Folge ist ein Verblassen (eine Verkreidung) der Pulverlackschicht und die Notwendigkeit häufiger Reinigung.

Empfehlungen zur Reinigung

Für Fenster- und Fassadenflächen ist es sinnvoll, nur Reinigungs-mittel einzusetzen, die von der GRM (Gütegmeinschaft Reinigung von Metallfassaden e.V.) geprüft und freigegeben sind. Diese Reiniger sind in der Lage, neben korrosionsauslösenden Stoffen auch Zersetzungsprodukte des Lackfilmes zu beseitigen und das dekorative Aussehen herkömmlicher Pulverlackoberflächen wieder herzustellen. Der Verband der Fenster- und Fassadenhersteller hat hierzu entsprechende Merkblätter herausgegeben (WP 01 - 05).

Reinigungsmittel enthalten u. a.:

  • physikalisch wirkende Mittel, die Öl- und Fettschmutzpartikel ablösen und festhaftende Schmutzpartikel

  • dispergieren

  • mechanisch wirkende Mittel, die die Eigenschaften der Tenside unterstützen und feinste Polierstoffe (auf der Basis von Bimsmehl) enthalten; Konservierungsmittel, die durch ihre schmutzabweisende Wirkung das Einschmutzungsverhalten deutlich reduzieren.

Speziell bei einigen Metallicfassadenoberflächen traten nun Schmutzspuren auf, die in Verbindung mit der beginnenden Verwitterung zu einem örtlich begrenzten Graubereich führten. Normale Reiniger brachten kein zufriedenstellendes Ergebnis; die Beläge wurden zwar entfernt, allerdings mit einer erkennbaren Abnahme des Metalliceffektes - die polierstoffhaltigen Reiniger führten zu einem oberflächlichen Zerkratzen der Metallicpartikel und teilweisen Herauslösen dieser Partikel.

Das Reinigungsverhalten der Metallic-Einschichtpulver

Folgende Einflussgrößen beeinflussen das Reinigungsverhalten der Metallicfassadenpulver:

  • Größe und Art der Metallicpigmente

  • Anzahl dieser Pigmente

  • Verwitterungsverhalten des Pulverlackes

  • Glanzgrad und Farbton des Metallic-Pulverlackes

  • Art des verwendeten Reinigers

Der GRM und der Verband der Fenster- und Fassadenhersteller empfehlen für herkömmliche Pulverlackoberflächen mit Metallicpigmenten in Ihren Merkblättern die vorsichtige Reinigung mit netzmittelhaltigem Wasser und schonendem Reiniger (nach Möglichkeit nicht abrasiv) und einen halbjährlichen Reinigungszyklus bei "normalen" Fassadenpulvern. Dies führt, sehr zum Ärger von Bauherren, Objektplanern, Architekten und Objektbetreibern, zu höheren Kosten.

Rechenmodell Kosten herkömmliche Pulverlacke

Tabelle Pulverlacke

1)100 % = Gesamtkosten für Beschichtung und Reinigung für eine mit herkömmlichen Pulverlacken beschichtete Fassade in 10 Jahren, * = incl. Rundungsdifferenz. (Tabelle 1)

Das Rechenmodell in Tabelle 1 + 2 basiert auf der 10-Jahresrechnung einer Aluminiumfassade, ca. 10 000 qm Gesamtfläche mit 60 % Fassadenelementen und 40 % Glasfläche, nur die reine Pulverbeschichtung (ein Los) und einer einfachen Reinigung mittels Hängegerüst (in Tabelle 1 + 2 = Erreichbarkeit), ohne sonstige Kosten. Berücksichtigt wurde ein jährlicher Reinigungsturnus gem. den Empfehlungen von GRM und VFF. Es handelt sich hier um gemittelte Werte, die im Einzelfall differieren können. Für die Gesamtfläche ergeben sich bei diesem Beispiel theoretische Kosten von 483 000 (= 100 % im Beispiel) in 10 Jahren beim Einsatz von herkömmlichen Fassadenpulvern.

Ist eine Lösung in Sicht?

Ein Arbeitskreis branchenanerkannter Fachleute aus der Oberflächentechnik hat sich auf Inititative des GRM dieser Problematik angenommen, um Bauherren und Architekten eine schnelle Lösung dieses drängenden Problems zu ermöglichen. Erste Zwischenergebnisse lassen die Nutzer schöner Metallicfassaden hoffen.

Ein signifikant besseres Ergebnis in Reinigung und Werterhaltung der hochwertigen Fassaden wurde in Verbindung mit hochwetterfesten Pulverlacken und nicht abrasiv wirkenden Reinigungsmitteln im Vergleich zu herkömmlichen Fassadenpulvern erzielt. Diese Pulverlacksysteme entsprechen wesentlich höheren Qualitätsanforderungen als herkömmliche Fassadenpulver.

In Deutschland hat das internationale Qualitätssiegel QUALICOAT, bisher als einziges die hochwetterfesten Pulverlacksysteme zugelassen, in Amerika entsprechen diese der AAMA 2604-98.

Zum Vergleich der Floridatest

Bisher eingesetzte Standardpulverlacke, die als qualitativ gute Produkte jahrzehntelang zur

Gestaltung von hochwertigen Fassaden dauerhaft beigetragen haben, wurden weiterentwickelt.

Neue sogenannte Hochwetterfestsysteme haben die positiven Eigenschaften der herkömmlichen Pulverlacke beibehalten und erweitert. Diese neuen Erkenntnisse haben zwar zu höheren Kosten in der Herstellung und in der Verarbeitung beim Beschichter geführt, ergeben aber im Vergleich zusätzliche Nutzen.

Vergleiche (siehe Grafik 1) zwischen herkömmlichen Standard-Pulverlacken (symbol_point) und Hochwetterfest-Pulvern (symbol_delta) in der Floridaauslage (diese entspricht der 3 - 5fachen UV-Belastung im Vergleich zu Europa, daher die kurzen Zeiten in der Grafik):

Grafik Restglanz

Rechenmodell: Kosten hochwetterfeste Pulverlacke

Übertragen auf das Rechenbeispiel der Gesamtkosten über 10 Jahren bedeutet dies:

Tabelle

Für die Gesamtfläche ergibt das bei dem oben angeführten Beispiel mit hochwetterfesten Pulverlacken theoretische Kosten von 352 800 (= 73,1 % im Beispiel) in 10 Jahren, also eine rechnerische Ersparnis von ca. 130 200 gegenüber dem Einsatz von herkömmlichen Standardpulvern (in beiden theoretischen Rechenmodellen). Hierbei ist ein Reinigungsvorteil (leichtere Oberflächenreinigung von hochwetterfesten Pulvern laut GRM) noch nicht berücksichtigt. Der Anteil der Beschichtungskosten beim Bau einer Fassade beträgt ca. 1,5 bis 2 %, je nach Art der Oberfläche. Eine marginale Erhöhung der Baukosten ergibt in unserem Beispiel eine, witterungsstabile und werterhaltende Oberfläche, die sich außerdem noch besser reinigen lässt und in der 10-Jahrensbetrachtung eindeutig Kosten spart.

Die Qualität ist gesichert

Aufgrund der anspruchsvolleren Verarbeitungsparameter sind in Deutschland ausgewählte Oberflächenveredelungsunternehmen von Pulverlackherstellern zugelassen, diese Systeme anzubieten. Einige dieser anerkannten Qualitätsbeschichter werden bereits von QUALICOAT überwacht, weitere haben Interesse bekundet. Auf jeden Fall sind diese Oberflächenveredelungsunternehmen und deren Kunden auf der sicheren Seite, wenn sie die von QUALICOAT in Klasse 2 geprüften hochwetterfesten Pulverlacke einsetzen.

Vorteile für alle

Der Einsatz von hochwetterfesten Pulverlacken hat weitere Vorteile. So sind diese Oberflächen durch eine höhere Kratzfestigkeit gegenüber herkömmlichen Lacksystemen gekennzeichnet. Das bedeutet erhöhte Sicherheit in der Produktion, für den Objektbesitzer eine beständigere Oberfläche und spart Kosten + Zeit.

Die höhere Farb- und Glanzgradstabilität im Vergleich zu herkömmlichen Fassadenpulvern ergibt auch eine verlängerte optische Standzeit. Dadurch gewinnt das Bauwerk länger an optischer Attraktivität. Die verbesserte Witterungsbeständigkeit und die hiermit verbundene verringerte Auskreidung der Pulverbeschichtung ergibt eine glattere Oberfläche und als Folge eine geringere Verschmutzung; das hat den Vorteil einer erheblich verringerten Reinigungshäufigkeit. Der Bauherr spart spätere Reinigungskosten.

Tabelle Vorteile

Weiterentwicklung vorantreiben

Damit ist unter Mithilfe einiger anerkannter Institutionen und Personen aus der Branche eine kurzfristige Lösung des brennenden Problems "Metallicreinigung" in Sicht. Allerdings darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um eine Zwischenlösung handelt.

Den Objekten wird gutes getan, wenn nur fassadentaugliche Systeme verwendet werden, nicht alle Metallics und Special Effects sind für die Fassadenanwendung und die erforderliche Reinigung geeignet.

Pulverlackhersteller und Rohstoffproduzenten sind aufgefordert, im Sinne von Bauherren, Architekten und Oberflächenveredlern nunmehr weitere Metallicpulverlacke zu entwickeln, die sich noch besser reinigen lassen, noch dauerhafter, lichtechter, wetterbeständiger und glanzgradstabiler sind und trotzdem im Einschichtsystem kostengünstig beschichtet werden können.

Wie heißt es doch so schön: "Qualität ist, wenn der Kunde wieder kommt, nicht das Produkt"; oder - mit anderen Worten: " Das Bessere ist des Guten Feind".