Entlackung

Aluminium Bauteile chemisch entlacken - lohnt sich das?

Wer kennt das nicht: Aus Falschlieferungen, Rücklieferungen oder Fehlern in der Herstellung sind Teile an Lager, die lediglich eine falsche Beschichtung aufweisen. Für den Schrott sind sie eigentlich zu wertvoll, für einen "2.-Wahl-Verkauf" fehlen die Möglichkeiten. Da greift man schon gerne auf den Gedanken des Entlackens zurück. Doch ab wann lohnt sich das für den Metallbauer? Welche Art von Entlackung wählt man?

Materialverträglichkeit

Die Bandbreite der entlackbaren Metalle reicht von Aluminium, Zink, Kupfer über Magnesium bis hin zu Stahl. Diese Werkstoffe verhalten sich bei den aufgeführten Chemikalien allerdings unterschiedlich:
Die korrosive Neigung von Stahl nach der sauren Entlackung ist mit einer zusätzlichen, unmittelbar anschließenden Passivierung zu beheben. Für die Entlackung von Metallprofilen und -blechen (Bau- und Maschinenbau) sind die zur Zeit am Markt angebotenen alkalisch/wasserfreien Entlackungsmittel in der Regel gut geeignet. Vorhandene Konversionsschichten (Chromat, Phosphat) oder eine Feuerverzinkung werden nicht abgetragen, eine vorhandene Sendzimierverzinkung (3-5nm) sehr wohl. Handelsübliche Polyamidstege von Isolierprofilen können problemlos entlackt werden, lediglich PUR-Stege, die bis 1995 produziert wurden, sind für die Entlackung nicht geeignet.
Erstes Auswahlkriterium ist also die Materialverträglichkeit. Tabelle 1 gibt einen Überblick. Übrigens: Die CKW-haltigen Entlackungsmittel fallen unter das BMISCHG (Bundesimissionsschutzgesetz), sie sollten aus Umweltschutzgründen nicht eingesetzt werden.
Ein zweites Auswahlkriterium ist die Art der Beschichtung.´Was dabei zu beachten ist, geht aus Tabelle 2 hervor. Insgesamt bietet sich aus Sicht der Materialverträglichkeit ein differenziertes Bild. Aluminium besitzt das Handicup, daß die wäßrig/alkalische Entlackung nicht geeignet ist.

Tabelle 1: Materialverträglichkeit der Entlackungsarten
Tabelle 1 -  Materialverträglichkeit der Entlackungsarten

Tabelle 2: Eignung der Entlackungsarten für unterschiedliche Beschichtungen
Tabelle 2 - Eignung der Entlackungsarten

Legende Entlackungstabellen

Was geschieht mit der Beschichtung?

Der Vorgang während des chemischen Entlackens im Tauchverfahren kann vereinfacht so beschrieben werden: Das chemische Entlackungsmittel durchdringt die Lackschicht, löst und zersetzt sie anschließend. Das im Lack vorhandene Bindemittel wird zerstört, und die Bestandteile werden von der Oberfläche entfernt.
Dieser Vorgang verläuft im Tauchverfahren bei Raumtemperatur relativ langsam. Mit höherer Temperatur, zusätzlicher gezielter Bewegung des Entlackungsgutes oder mittels starken Umwälzens der Badflüssigkeit (Strömung) läßt sich der Vorgang beschleunigen. Die Entlackungsdauer bei verschiedenen Metallen in Abhängigkeit von Schichtdicke und Beschichtungsmaterialien kann von wenigen Minuten bis hin zu mehr als einem Tag dauern.

Wirtschaftlickeit der Entlackung von Profilen

Ab wann lohnt es sich, die Teile nicht dem Recyclingkreislauf sondern der Entlackung zuzuführen? Diese Frage läßt sich beispielsweise für Aluminiumprofile unter Berücksichtigung von Neuprofilpreis und der Profilabwicklung gut darstellen (siehe Grafik). Nach dieser Darstellung beginnt der wirtschaftliche Bereich der Profilentlackung bei einer Abwicklung von etwa 100 mm. Bei großvolumigen Profilen steigt danach der Kostenvorteil gegenüber einem Neuprofil drastisch an.